Psoriasis, Interleukin-(IL)-23

IL-23 – Im Zentrum von Psoriasis

Interleukin-(IL)-23 spielt eine zentrale Rolle in der Psoriasis-Pathogenese. Das regulatorische Zytokin steht mit am Anfang der Entzündungskaskade.1

Viele Psoriasis-Patienten erfahren durch die Erkrankung unzählige Einschränkungen. Dabei werden ihre Bedürfnisse durch verfügbare Therapien häufig nicht ausreichend befriedigt.2 Um frühzeitig und zielgerichtet in die Entzündungskaskade eingreifen zu können, ist es wichtig den richtigen Signalweg zu hemmen. Lange Zeit war unklar welche Zytokine im Zentrum der Psoriasis-Pathogene stehen – bis schließlich IL-23 als ein zentrales Regulatorzytokin identifiziert wurde.3

Psoriasis ist eine T-Zell-vermittelte Erkrankung in deren Zentrum die IL-23/ Th17-Achse steht.3


Zytokine steuern die Differenzierung von T-Helferzellen

An der Pathogenese der Psoriasis sind unterschiedliche Typen von Immunzellen beteiligt. Zwei dieser Zelltypen, die in der Dermis von Psoriasis-Patienten in großer Anzahl vorkommen, sind Dendritische Zellen (DC) und T-Zellen.4 Zwischen diesen beiden Zellen besteht eine für das Immunsystem zentrale funktionelle Verbindung, denn eine der Hauptaufgaben der DCs ist die Aktivierung von naiven T-Zellen und somit die Induktion der primären Immunantwort. Bei dem Kontakt der DCs mit naiven T-Zellen werden verschiedene Zytokine ausgeschüttet. Diese sind entscheidend für die Differenzierung der naiven T-Zellen in unterschiedliche Zelltypen.

  • Interleukin-12 (IL-12) ist ein wichtiger Faktor für die Entstehung von Th1-Zellen.
  • Interleukin-4 (IL-4) induziert Th2-Zellen.
  • Interleukin-6 (IL-6) und TGF (Transformierender Wachstumsfaktor)-beta induzieren die Differenzierung zu Th17-Zellen.

Th17-Zellen können zudem in pathogene und nicht-pathogene Zellen differenzieren – hier spielt IL-23 eine zentrale Rolle.

Differenzierte T-Helferzellen üben unterschiedliche physiologische Funktionen aus. Wichtig hierfür ist wiederum der Mix an Effektorzytokinen, der von ihnen ausgeschüttet wird. (siehe Tabelle 1).3

Mix an Effektorzytokinen

IL-23 reguliert die Entzündungskaskade in der Haut

Im Zentrum der Psoriasis-Pathogenese steht die Achse aus dem Zytokin IL-23 und der Th17-Zelle.6 In der Abwesenheit von IL-23 differenzieren induzierbare Th17-Zellen in nicht-pathogene Th17-Zellen, die unter anderem für die Aufrechterhaltung der Barrierefunktion im Körper zuständig sind (siehe Tabelle 1). 6

Bei Psoriasis wird bei der Differenzierung der Th17-Zellen zusätzlich IL-23 von den dendritischen Zellen ausgeschüttet.7 So wird eine Entzündungskaskade in Gang gesetzt: Durch das Regulatorzytokin IL-23 entstehen pathogene Th17-Zellen, die viele proinflammatorische Zytokine und in stark erhöhtem Maße IL-17 ausschütten.3 Diese Zytokine wiederum aktivieren Keratinozyten, die proliferieren und zusätzliche inflammatorische Zytokine ausschütten. Dadurch werden weitere Immunzellen wie T-Zellen, Neutrophile und Makrophagen rekrutiert, die wiederum proinflammatorische Zytokine ausschütten können. Ein sich selbst aufrechterhaltender Entzündungskreislauf ist entstanden.3 Auf der Haut Betroffener sind die Auswirkungen dieses Kreislaufs als typische Psoriasis-Läsionen sichtbar.

Pathogene Th17-Zellen produzieren vermehrt Effektorzytokine wie IL-17A, IL-17F, IL-21, IL-22 und TNF, die die Psoriasis-Pathogenese und Chronizität fördern.7,3


IL-23 besteht aus zwei Untereinheiten

IL-23 besteht aus den beiden Untereinheiten p40 und p19. Die p40-Untereinheit ist zusätzlich Bestandteil von IL-12. Eine Inhibition von IL-23 über die p40-Untereinheit (z. B. durch IL 12/IL 23-Inhibitoren) hat somit auch Auswirkungen auf den Th-1-Signalweg, der wichtig für die zelluläre Immunität ist. Indem lediglich die p19-Untereinheit blockiert wird, kann IL-23 spezifisch inhibiert werden.

Durch die spezifische Inhibition von IL-23 kann die Aktivität und Entstehung der pathogenen Th-17 Zellen reduziert werden, wodurch weniger proinflammatorische Zytokine wie z. B. IL-17A ausgeschüttet werden. Man geht davon aus, dass dies mit einem veränderten Überleben bzw. mit einer Veränderung des Phänotyps dieser Zellen zusammenhängt.3 Dies ist insbesondere wichtig, da Th17-Zellen langlebig sind und auch nach Abheilung von Psoriasis-Läsionen metabolisch aktiv bleiben.3 Dementsprechend kann die spezifische Inhibition des Regulatorzytokins IL-23 in einer potenziell längerfristigen Reduktion von proinflammatorischen Zytokinen resultieren als die Blockade von IL-17.1,3 Nicht-pathogene Th17-Zellen werden zudem nicht beeinflusst und produzieren weiterhin IL-17, das eine Rolle in der Barrierefunktion im Körper, z. B. in der Haut und im Darm hat. Dadurch kann die Balance zwischen proinflammatorisch und antiinflammatorisch wirkenden Zytokinen wiederhergestellt werden.


Psoriasis an der Wurzel packen?

Durch die Grundlagenforschung der letzten Jahrzehnte rückte die IL-23/Th17-Achse in das Zentrum der Psoriasis-Pathogenese. Dabei wurde deutlich, dass die Inhibition des Regulatorzytokins IL-23 in der Plaque-Psoriasis potentielle Vorteile gegenüber bisherigen Biologika-Therapien besitzen könnte.1

IL-23 wirkt früh in der Entzündungskaskade der Psoriasis.1 Durch die Inhibition des Regulatorzytokins kann die Ausschüttung einer Vielzahl von proinflammatorischen Effektorzytokinen verhindert werden. Die zielgerichtete Hemmung bewahrt dabei im Körper das für die Immunabwehr förderliche Maß an IL-17 und beeinflusst nicht den Th1-Signalweg.3

  1. Girolomoni G et al. The role of IL-23 and the IL-23/TH 17 immune axis in the pathogenesis and treatment of psoriasis. J Eur Acad Dermatol Venereol 2017; 31(10):1616–26.
  2. Maul JT et al. Gender and age significantly determine patient needs and treatment goals in psoriasis - a lesson for practice. J Eur Acad Dermatol Venereol 2019; 33(4):700–8.
  3. Gooderham MJ et al. Shifting the focus - the primary role of IL-23 in psoriasis and other inflammatory disorders. J Eur Acad Dermatol Venereol 2018; 32(7):1111–9.
  4. Di Meglio P et al. Psoriasis. Cold Spring Harb Perspect Med 2014; 4(8).
  5. Di Cesare A et al. The IL-23/Th17 axis in the immunopathogenesis of psoriasis. J Invest Dermatol 2009; 129(6):1339–50.
  6. Gaffen SL et al. The IL-23-IL-17 immune axis: From mechanisms to therapeutic testing. Nat Rev Immunol 2014; 14(9):585–600.
  7. Hawkes JE et al. Psoriasis pathogenesis and the development of novel targeted immune therapies. J Allergy Clin Immunol 2017; 140(3):645–53.